Die nächste Evolutionsstufe digitaler Planungsprozesse im Bauwesen zeichnet sich klar ab: BIM-Plattformen entwickeln sich zunehmend zu „selbstprüfenden“ Systemen, die Modelle kontinuierlich automatisch validieren. Ziel ist es, klassische Qualitätssicherungs-Schleifen – häufig als „Model-Check-Fix“ bezeichnet – durch automatisierte Prüfprozesse direkt während der Modellierung zu ersetzen. Fachbeiträge aus der AEC-Technologiebranche sehen darin einen entscheidenden Schritt zur weiteren Industrialisierung digitaler Planungsprozesse.
Kontinuierliche Modellprüfung statt periodischer Qualitätssicherung
In traditionellen BIM-Workflows werden Modelle häufig erst zu bestimmten Meilensteinen überprüft, etwa im Koordinationsmeeting oder vor der Übergabe an nachgelagerte Prozesse wie Mengenermittlung oder Ausschreibung. Moderne Plattformkonzepte setzen dagegen auf kontinuierliche Modellvalidierung: Prüfalgorithmen analysieren BIM-Modelle automatisch, sobald Änderungen vorgenommen werden.
Dabei werden unter anderem folgende Aspekte überprüft:
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Vollständigkeit der Informationsanforderungen (z. B. PropertySets oder Klassifikationen)
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Regelkonformität zu Standards und Auftraggeberanforderungen
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Koordination zwischen Gewerken einschließlich Kollisions- oder Abstandsprüfungen
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Plausibilität von Mengen und Bauteilparametern
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Struktur- und Datenqualität des BIM-Modells
Der Vorteil: Modellierungsfehler oder fehlende Informationen können bereits in frühen Planungsphasen erkannt und korrigiert werden, bevor sie sich in Kosten- oder Terminrisiken niederschlagen.
OpenBIM-Standards als technologische Grundlage
Eine zentrale Rolle für diese Entwicklung spielen offene Daten- und Prüfstandards aus dem buildingSMART-Umfeld. Besonders relevant sind dabei:
Information Delivery Specification (IDS)
Mit dem IDS-Standard lassen sich Informationsanforderungen maschinenlesbar formulieren. Damit können BIM-Modelle automatisiert gegen definierte Anforderungen – etwa aus Auftraggeber-Informationsanforderungen (AIA) – geprüft werden.
BIM Collaboration Format (BCF)
BCF ermöglicht die standardisierte Kommunikation von Modellproblemen und Koordinationsfragen zwischen verschiedenen Softwarelösungen. Prüfergebnisse werden dabei als strukturierte Issues mit Modellreferenz und Kommentaren übermittelt.
Zusammen bilden IDS und BCF die Grundlage für automatisierte Prüfprozesse innerhalb von BIM-Workflows.
Vom Model-Checking-Tool zur integrierten Plattformfunktion
Automatisierte Modellprüfung ist in spezialisierten Softwarelösungen bereits etabliert. Der aktuelle Trend geht jedoch darüber hinaus: Statt einzelner Prüftools sollen BIM-Plattformen selbst kontinuierliche Validierungsprozesse integrieren.
In diesem Konzept wird Qualitätssicherung zu einer permanenten Plattformfunktion. Prüfungen laufen automatisch im Hintergrund, während Issues direkt in das Koordinations- oder Projektmanagementsystem zurückgespielt werden.
Branchenbeobachter sehen darin einen wichtigen Schritt zur datengetriebenen Planung, bei der Modelle nicht nur geometrische Informationen enthalten, sondern als zentrale, qualitätsgesicherte Informationsquelle für Kostenplanung, Ausschreibung und Betrieb dienen.
Bedeutung für Planungsbüros und Auftraggeber
Für Planungsbüros und Bauherren ergeben sich aus diesem Ansatz mehrere Vorteile:
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frühzeitige Erkennung von Modellfehlern
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höhere Datenqualität in BIM-Modellen
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effizientere Koordination zwischen Projektbeteiligten
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bessere Grundlage für automatisierte Mengenermittlung und AVA-Prozesse
Damit könnte sich der Fokus im BIM-Management künftig stärker von manueller Modellprüfung hin zu automatisierten Qualitätssicherungsprozessen verschieben.
Digitalisierung der Planungsprozesse schreitet voran
Der Trend zu selbstprüfenden BIM-Plattformen verdeutlicht, dass sich digitale Bauprozesse zunehmend an Prinzipien aus der Software- und Industrieentwicklung orientieren. Kontinuierliche Validierung, automatisierte Qualitätskontrollen und standardisierte Datenformate sollen dabei helfen, die Komplexität moderner Bauprojekte besser zu beherrschen.
Mit der wachsenden Integration solcher Technologien könnten BIM-Modelle künftig nicht nur Planungswerkzeuge sein, sondern auch aktive Kontroll- und Entscheidungsinstrumente im gesamten Bauprozess.
Bericht: Michael Müller