Standardisierte BIM-Modelle könnten die Ausschreibung im Straßen- und Brückenbau deutlich vereinfachen. Erste Anwendungen zeigen das Potenzial – allerdings bestehen bei der modellbasierten Mengenermittlung noch technische Herausforderungen.
Die Digitalisierung des Straßenbaus erreicht einen weiteren wichtigen Entwicklungsschritt. Mit BIM2AVA sollen Informationen aus digitalen Bauwerksmodellen künftig weitgehend automatisiert in die Software für Ausschreibung, Vergabe und Abrechnung (AVA) übertragen werden. Grundlage dafür sind der offene Datenaustauschstandard IFC 4.3 und ein standardisiertes Parametrisierungssystem für den Bundesfernstraßenbau.
Ziel ist es, Leistungsverzeichnisse einschließlich der zugehörigen Mengen unmittelbar aus den digitalen Planungsmodellen abzuleiten. Bislang müssen viele Informationen zwischen CAD- und AVA-Anwendungen manuell übertragen, ergänzt oder neu zugeordnet werden.
Standardisierte Informationen statt manueller Übertragung
Im Mittelpunkt steht das gemeinsame Vorhaben „Standardisiertes Parametrisierungssystem im Bundesfernstraßenbau“. Daran beteiligt sind unter anderem die Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV), die DEGES, RIB Software und das Steinbeis-Transferzentrum. Auch das Fernstraßen-Bundesamt und die Autobahn GmbH des Bundes sind eingebunden.
Als fachliche Grundlage dient der Standardleistungskatalog für den Straßen- und Brückenbau (STLK).
Durch einheitlich definierte Eigenschaften und Merkmale können Bauteile im BIM-Modell bestimmten Leistungspositionen zugeordnet werden. Die benötigten Informationen werden anschließend an die AVA-Software übergeben.
RIB Software demonstriert diesen Prozess mit den Programmen RIB Civil und RIB iTWO. Die Übergabe des digitalen Modells erfolgt über IFC 4.3.
Bis zu 50 Prozent Zeitersparnis in Aussicht gestellt
Nach Angaben von RIB sollen rund 70 Prozent der benötigten Informationen als eindeutig definierte Texte aus dem Modell in die AVA-Anwendung übernommen werden können. Für ergänzende oder projektspezifische Leistungen bleiben Freitexte weiterhin möglich.
Für erste Anwendungen im Straßenbau stellt der Hersteller eine Zeitersparnis von rund 50 Prozent in Aussicht.
Dabei handelt es sich um eine Herstellerangabe. Eine unabhängig belegte, allgemeingültige Zeitersparnis für sämtliche Straßenbauprojekte lässt sich daraus bislang nicht ableiten.
IFC 4.3 als Grundlage für den herstellerübergreifenden Austausch
Eine entscheidende Rolle übernimmt IFC 4.3. Der offene Standard wurde im April 2024 als ISO 16739-1:2024 veröffentlicht und erweitert das IFC-Datenmodell insbesondere für Infrastrukturbauwerke wie Straßen, Brücken und Schienenwege.
Damit können Geometrien und strukturierte Bauteilinformationen zwischen unterschiedlichen Softwareanwendungen ausgetauscht werden.
Der Vorteil: Planungsbüros und Auftraggeber sollen nicht zwingend dieselben Programme einsetzen müssen, um gemeinsam mit den digitalen Modellen zu arbeiten.
Allerdings garantiert das IFC-Format allein noch keine automatische LV-Erstellung. Entscheidend ist, dass die erforderlichen Informationen vollständig und nach einheitlichen Regeln im Modell hinterlegt sind und von der jeweiligen Software korrekt verarbeitet werden.
DEGES-Pilotprojekt zeigt noch technische Grenzen
Wie weit die Entwicklung tatsächlich fortgeschritten ist, zeigen Erfahrungen aus dem Autobahnprojekt A 14.
Die DEGES erprobt dort gemeinsam mit Planungspartnern die Verknüpfung digitaler Bauwerksmodelle mit der Ausschreibung. Dabei werden unter anderem Überführungsbauwerke für die modellbasierte Ableitung von Leistungspositionen untersucht.
Die Ergebnisse zeigen, dass die grundlegenden Verfahren funktionieren, allerdings noch nicht durchgängig zuverlässig sind.
Insbesondere bei der Mengenermittlung aus IFC-Modellen treten nach Angaben der Projektbeteiligten weiterhin Schwierigkeiten auf.
Deshalb werden benötigte Mengen im Pilotprojekt vorerst teilweise direkt in der CAD-Software über formelbasierte Attribute ermittelt und anschließend für die AVA-Bearbeitung bereitgestellt.
Eine weitere Erkenntnis: Die erforderlichen Bauteilmerkmale sollten möglichst bereits während der Modellierung definiert werden. Eine nachträgliche Ergänzung kann erheblichen zusätzlichen Aufwand verursachen.
Neue Standards unterstützen die Entwicklung
Parallel zur Softwareentwicklung schreitet auch die Vereinheitlichung der BIM-Daten voran.
Mit dem Best-Practice-Katalog für das Fachmodell Verkehrsanlage stellt BIM Deutschland einen einheitlichen Objekt- und Merkmalskatalog für den Bundesfernstraßenbau bereit. Die Zuordnung der Informationen ist sowohl für IFC 2x3 als auch IFC 4.3 vorgesehen.
Auch die praktische Einführung geht weiter: Im Oktober 2026 meldete RIB die Freigabe eines speziellen iTWO-Konfigurationspakets für die Straßenbauverwaltungen des Bundes und der Länder. Es berücksichtigt unter anderem die einschlägigen Regelwerke für Ausschreibung und Vergabe im Straßenbau.
Fazit: Automatisierung braucht mehr als ein Austauschformat
BIM2AVA zeigt, welches Potenzial in einer durchgängigen Verbindung zwischen digitaler Planung und Ausschreibung steckt.
Werden Bauteile bereits bei der Modellierung mit den erforderlichen Informationen versehen, lassen sich Übertragungsaufwand und mögliche Fehlerquellen erheblich reduzieren.
Bis zur vollständig automatisierten Erstellung belastbarer Leistungsverzeichnisse bleibt jedoch Entwicklungsarbeit notwendig.
Die entscheidende Voraussetzung ist nicht allein IFC 4.3, sondern vor allem eine einheitliche, verlässliche und softwareübergreifend nutzbare Informationsstruktur.
Quellen
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RIB Software – Standardisierte Prozesse für BIM im Straßenbau, 5. August 2026.
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BVBS – RIB auf der INTERGEO, 6. August 2026.
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DEGES – Vom Bauwerksmodell zum Leistungsverzeichnis, 13. Juli 2026.
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buildingSMART – IFC 4.3 als ISO-Standard, 2. April 2024.
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BIM Deutschland – Best-Practice-Katalog Fachmodell Verkehrsanlage.
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RIB – Konfigurationspaket Straßenbau für iTWO, 6. Oktober 2026.
KI-Hinweis
Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz recherchiert und redaktionell formuliert. Die zugrunde liegenden Informationen stammen aus den angegebenen Quellen. Herstellerangaben und Ergebnisse aus Pilotprojekten wurden entsprechend gekennzeichnet.