2026 wird für Architekten, Ingenieure und Projektsteuerer zum Jahr der Umstellung: Mehr Tempo bei Genehmigungen, neue Vorgaben rund um Energieeffizienz und Sanierung, aktualisierte Regeln für Bauprodukte sowie veränderte Rahmenbedingungen in der Vergabe. Für viele Büros heißt das: Prozesse, Leistungsbilder und Dokumentation müssen noch sauberer organisiert werden – und zwar entlang klarer Stichtage.

Wohnungsbau: „BauTurbo“ eröffnet Spielräume – Kommune bleibt Schlüssel

Im Wohnungsbau sollen beschleunigte Verfahren zusätzliche Dynamik bringen. Neue planungsrechtliche Spielräume können dazu beitragen, Projekte schneller in die Genehmigung zu bringen – allerdings nur, wenn die jeweilige Kommune diesen Weg aktiv mitgeht. Für Planungsbüros steigt damit die Bedeutung der frühen Abstimmung: Wer beschleunigen will, muss Anforderungen, Unterlagenstand und Entscheidungswege vorab klären. Auch die vertragliche Seite wird wichtiger, etwa bei Terminplänen, Leistungsabgrenzung und Haftungsfragen in verkürzten Verfahrensketten.

Energie & Bestand: 2026 wird zum Umsetzungsjahr

Parallel dazu rückt die Energiepolitik im Gebäudesektor stärker in den Mittelpunkt. Die anstehende nationale Umsetzung europäischer Vorgaben wird die Planungsrealität beeinflussen – vor allem bei Sanierungen und bei der Nachweisführung. Erwartet werden präzisere Anforderungen, stärkere Dokumentationspflichten und neue Instrumente zur Planung von Renovierungsfahrplänen. Für Büros bedeutet das: energetische Konzepte müssen früher belastbar sein, Schnittstellen zu TGA und Bauphysik sauber funktionieren und die „Datenlage“ für Nachweise muss durchgängig stimmen.

Infrastruktur: Verfahren sollen digitaler und schneller werden

Auch im Bereich Infrastruktur und große öffentliche Vorhaben ist die Richtung klar: Genehmigungen sollen beschleunigt, Prozesse stärker digitalisiert, Abstimmungen gestrafft werden. Das erhöht den Druck auf die Projektbeteiligten, weil Unterlagen schneller prüffähig vorliegen müssen. Gleichzeitig wächst die Bedeutung digitaler Projektabwicklung – von strukturierten Datenlieferungen bis hin zu standardisierten Austauschformaten.

Digitalisierung/BIM: Standardisierung statt Insellösungen

Die öffentliche Hand baut digitale Anforderungen weiter aus. BIM, strukturierte Datenlieferungen und einheitliche Projektprozesse werden in vielen Projekten zur Erwartungshaltung. Für Planungsbüros ist das weniger eine „Softwarefrage“ als eine Organisationsfrage: Rollen, Verantwortlichkeiten, Prüfroutinen, Datenqualität und interne Standards müssen klar definiert sein, damit Modelle und Dokumente termingerecht und konsistent geliefert werden können.

Bauprodukte: Neue Regeln treffen die Nachweisführung

Ein weiterer Hebel liegt bei Bauprodukten: Die Anforderungen an Produktinformationen, Konformitätsnachweise und Dokumentationsketten werden weiter modernisiert. Tendenz: mehr Transparenz, mehr digitale Daten, höhere Erwartungen an Vollständigkeit und Aktualität. Das betrifft nicht nur die Ausschreibung, sondern auch die spätere Projektdokumentation – und damit ganz konkret die Schnittstelle zwischen Planung, AVA und Ausführung.

Vergabe: Schwellenwerte und Beschleunigung prägen den Markt

In der Vergabe verändern aktualisierte Schwellenwerte und Reformvorhaben die Rahmenbedingungen. Für Planungsbüros heißt das: Projekte können schneller in den Markt gehen, Fristen werden knapper, und die Leistungsbeschreibung muss noch präziser sitzen, weil spätere Korrekturen zeit- und kostenintensiv sind. Wer AVA-Leistungen oder projektnahe Steuerung übernimmt, sollte Abläufe für schnelle Ausschreibungszyklen vorbereiten – inklusive sauberer Nachtragslogik.

HOAI: Weiterentwicklung bleibt ein strategisches Thema

Auch bei den Honoraren bleibt Bewegung. Die Diskussion um Anpassungen und die Weiterentwicklung der Honorarordnung ist nicht abgeschlossen. Unabhängig vom konkreten Zeitplan wächst in der Praxis der Bedarf, digitale Zusatzleistungen und erhöhte Dokumentationsanforderungen vertraglich sauber zu fassen – von BIM-Umfang und Datenlieferungen bis zu nachhaltigkeitsbezogenen Nachweisen. Büros, die hier klare Module und Kalkulationslogiken haben, reduzieren Reibung und Risiko.

Fazit: 2026 ist ein Organisationsjahr

Die Neuerungen greifen an vielen Stellen gleichzeitig – und sie haben eine gemeinsame Klammer: mehr Geschwindigkeit, mehr Digitalisierung, mehr Nachweis- und Datenqualität. Wer 2026 stabil arbeiten will, braucht weniger „Ad-hoc-Reparaturen“ und mehr Standards: klare Checklisten je Projekttyp, belastbare interne Prozesse für Dokumentation und Datenlieferung, sowie Vertragsbausteine, die neue Anforderungen abdecken. Dann wird aus Regeldruck ein Wettbewerbsvorteil – und aus Stichtagen planbare Routine.

Bericht: Michael Müller  Quelle: www.bimdeutschland.de; www.bundeswirtschaftsministerium.de