Mit Plamo bringt das kalifornische Unternehmen Illoca einen neuen KI-gestützten 3D-Arbeitsbereich in die Beta-Phase. Das Besondere: Aus Texten, Bildern, Zeichnungen oder Plänen soll nicht lediglich eine Visualisierung oder ein statisches Polygonmodell entstehen. Plamo erzeugt nach Angaben des Herstellers editierbare BREP-Geometrie mit parametrischer Logik. Für Architektur, Ingenieurwesen und CAD könnte genau dieser Unterschied interessant werden.
Illoca hat Plamo als browserbasierten „Agentic 3D Workspace“ vorgestellt. Die Beta wurde in einer am 24. August 2026 veröffentlichten Pressemitteilung offiziell angekündigt. Bereits am 21. August hatte das Fachmagazin AEC Magazine über die Anwendung berichtet.
Vom Prompt zur veränderbaren Geometrie
Viele KI-Anwendungen im Bereich Architektur konzentrieren sich derzeit auf Bilder, Renderings oder generierte 3D-Darstellungen. Illoca verfolgt mit Plamo einen anderen Ansatz: Das Ergebnis soll nicht nur betrachtet, sondern anschließend konstruktiv weiterbearbeitet werden können.
Als Eingaben nennt Illoca unter anderem:
- Textbeschreibungen,
- Referenzbilder,
- Skizzen,
- Zeichnungen,
- schematische Darstellungen,
- annotierte Zeichnungen und
- Plansätze.
Der KI-Agent soll zunächst die Absicht hinter der Eingabe interpretieren, einen Modellierungsansatz planen und darauf aufbauend die 3D-Geometrie erstellen. Die offizielle Produktseite beschreibt diesen Prozess als „Agentic Planning“.
Der angestrebte Workflow lässt sich damit vereinfacht so darstellen:
Plan, Bild, Zeichnung oder Text
→ KI interpretiert die Aufgabe
→ Agent plant die Modellierung
→ 3D-Geometrie wird erzeugt
→ Modell bleibt parametrisch veränderbar
→ Weiterbearbeitung und Export
Der entscheidende Punkt: BREP statt reinem Mesh
Technisch besonders interessant ist die Art der erzeugten Geometrie. Illoca gibt an, dass Plamo editierbare BREP-Geometrie mit parametrischer Logik erstellt. Dadurch sollen wichtige Abmessungen, geometrische Zusammenhänge und Systeme auch nach der Generierung verändert werden können. Das bestätigt auch AEC Magazine in seinem Bericht über die Beta.
BREP steht für Boundary Representation. Dabei wird ein Volumenkörper über seine begrenzenden Flächen, Kanten und deren geometrische beziehungsweise topologische Beziehungen beschrieben. Autodesk beschreibt BREP entsprechend als vollständige geometrische Beschreibung eines Volumen- oder Flächenmodells. Diese Form der Geometrie bildet eine wichtige Grundlage für klassische CAD-Modellierung.
Genau hier liegt der wesentliche Unterschied zu einer KI, die lediglich ein Bild oder ein statisches Polygonmodell erzeugt: Das von Plamo erzeugte Modell soll nach der Generierung Bestandteil eines weiteren Modellierungsprozesses bleiben.
Änderungen ohne kompletten Neuaufbau
Nach Angaben von Illoca soll der Nutzer mit der KI Modelle nicht nur erzeugen, sondern auch ändern und koordinieren können. Abmessungen, Systeme und Beziehungen sollen aufgrund der parametrischen Logik veränderbar bleiben, ohne dass das gesamte Modell nach jeder Änderung neu aufgebaut werden muss.
Dabei ist allerdings eine wichtige Einschränkung zu beachten: Die Plamo-Produktseite führt eine Funktion „Direct 3D edit“ derzeit noch unter den angekündigten Funktionen. Die parametrische beziehungsweise KI-gestützte Veränderbarkeit eines Modells sollte deshalb nicht mit einer bereits vollständig verfügbaren direkten CAD-Bearbeitung aller 3D-Objekte gleichgesetzt werden.
Komplett im Browser
Plamo ist browserbasiert. Laut Produktseite gehören bereits Layer, Schnitte und orthogonale Ansichten zum Arbeitsbereich. Eine zusätzliche Plugin-Kette soll für die Modellierung nicht erforderlich sein.
Illoca nennt außerdem Rhino, Grasshopper und GLB als Möglichkeiten für die Weitergabe erzeugter Modelle. Auf der Unternehmenswebsite heißt es, dass die Daten in organisierten Layern ausgegeben und anschließend in professioneller Software weiterbearbeitet werden können.
Damit positioniert sich Plamo nicht als abgeschlossene Insellösung, sondern als möglicher vorgelagerter KI-Modellierungsbereich innerhalb bestehender CAD-Prozesse.
Ist Plamo bereits ein BIM-System?
Nein – zumindest lässt sich das auf Grundlage der derzeit verfügbaren Informationen nicht belastbar behaupten.
BREP-Geometrie und parametrische Abhängigkeiten allein machen noch kein vollständiges BIM-Modell aus. Der offene BIM-Standard IFC umfasst neben Geometrie ein strukturiertes Datenschema mit Objekten, Eigenschaften und Beziehungen. buildingSMART beschreibt IFC ausdrücklich als internationalen Standard für den Austausch von Building-Information-Model-Daten einschließlich Schema sowie Property- und Quantity-Definitionen.
Deshalb ist die Formulierung „KI-generiertes parametrisches CAD-/3D-Modell“ für den aktuellen Stand belastbarer als die Bezeichnung eines automatisch erzeugten vollständigen BIM-Modells.
Widersprüchliche Angaben beim IFC-Export
Beim Thema BIM-Export besteht derzeit eine auffällige Unstimmigkeit auf den eigenen Seiten von Illoca.
Auf der aktuellen Plamo-Produktseite werden
- BIM-Export
.ifcund.rvt, - BIM-Template-Import
.rte
noch ausdrücklich unter „More features coming soon“ aufgeführt.
In den ebenfalls aktuellen FAQ auf der Illoca-Hauptseite wird dagegen bei den Plamo-Exportkosten bereits ein Export in .ifc für 25 Credits genannt. Gleichzeitig nennt die Beschreibung des regulären Workflows dort weiterhin Rhino, Grasshopper und GLB als Exportformate.
Damit lässt sich zum Stand vom 25. August 2026 nicht eindeutig belegen, in welchem Umfang der IFC-Export bereits allgemein verfügbar ist. Ein RVT-Export wird auf der Plamo-Seite eindeutig weiterhin als angekündigte Funktion geführt.
Für eine seriöse Bewertung sollte daher derzeit nicht behauptet werden, Plamo verfüge bereits über einen vollständig etablierten BIM-Workflow zu Revit und IFC.
Plansätze, Tragwerk und TGA: bislang Herstellerangaben
Weiter gehen die Angaben in der offiziellen Pressemitteilung. Illoca erklärt dort, dass der Agent unter anderem komplette Plansätze auswerten, mehrere Referenzen kombinieren sowie Tragwerks- oder MEP-Systeme in ein Modell einbringen könne. Bei fehlenden Informationen soll der Agent recherchieren und bei mehrdeutigen Anforderungen Rückfragen stellen. Auch AEC Magazine gibt diese Funktionen unter ausdrücklicher Bezugnahme auf Illoca wieder.
Diese Fähigkeiten sind für AEC-Anwendungen besonders interessant. Sie sollten momentan jedoch als Herstellerangaben bezeichnet werden. Öffentlich zugängliche, unabhängige Benchmarks zur Maßhaltigkeit, Zuverlässigkeit oder Fehlerquote bei der automatisierten Auswertung komplexer realer Bauunterlagen liegen in den von uns geprüften Quellen bislang nicht vor.
Gerade für den professionellen Einsatz wäre entscheidend, wie zuverlässig beispielsweise Maße, Geschosshöhen, Achsraster, Bauteilbeziehungen oder technische Systeme aus unterschiedlichen Planquellen übernommen werden.
Mensch bleibt in der Verantwortung
Illoca selbst beschreibt den Ansatz ausdrücklich als „Human-in-the-Loop“. Die erzeugten Ergebnisse werden als Ausgangspunkte für die weitere Bearbeitung verstanden; die fachliche Beurteilung soll beim Anwender bleiben.
Das ist gerade im AEC-Umfeld ein wichtiger Punkt. Ein automatisch erzeugtes Modell kann eine Modellierungsgrundlage sein, ersetzt aber nicht automatisch die Prüfung von Geometrie, Fachplanung, Normen oder projektspezifischen Anforderungen.
Das Unternehmen hinter Plamo
Illoca sitzt in San Ramon im US-Bundesstaat Kalifornien. Im Mai 2026 gab das Unternehmen eine Seed-Finanzierung über 13 Millionen US-Dollar bekannt. Die Finanzierungsrunde wurde von Bessemer Venture Partners angeführt; beteiligt waren außerdem AIX Ventures, Root Ventures und Alt Ventures.
Die Gründer verfügen über einschlägige Vorerfahrung im Bereich KI und AEC. Nach Unternehmensangaben arbeitete CEO Chin-Yi Cheng zuvor unter anderem bei Google DeepMind und im Autodesk AI Lab an generativer KI für Design. COO Chiaowei Yu leitete zuvor das BIM-Team bei Tesla. Diese Angaben werden auch von AEC Magazine aufgegriffen.
Plamo ist nach dem KI-gestützten Entwurfswerkzeug Tracing Paper das zweite Produkt von Illoca.
Einordnung: Interessanter Schritt von generativer KI in Richtung CAD
Plamo ist weniger deshalb interessant, weil eine KI ein dreidimensionales Modell erzeugen kann. Entscheidend ist der Anspruch, dass das Ergebnis anschließend als editierbare BREP-Geometrie mit parametrischer Logik weiterverwendet werden kann.
Damit verschiebt sich der Ansatz von:
Prompt → Bild
oder
Prompt → statisches 3D-Ergebnis
in Richtung:
Plan / Bild / Prompt
→ KI-Agent
→ editierbare parametrische Geometrie
→ weitere Modellbearbeitung
→ CAD-Workflow.
Dieser Ansatz ist technisch für Architektur- und Ingenieurbüros erheblich relevanter als eine reine Visualisierung. Ob daraus allerdings ein belastbarer Produktionsworkflow wird, muss sich erst zeigen.
Vor allem drei Fragen bleiben derzeit offen: Wie maßhaltig sind die automatisch erzeugten Modelle bei realen Projekten? Wie zuverlässig interpretiert der Agent komplexe und möglicherweise widersprüchliche Planunterlagen? Und wie vollständig werden künftig BIM-Informationen beim IFC- oder Revit-Workflow übertragen?
Plamo befindet sich in der Beta-Phase. Eine abschließende Bewertung der Praxistauglichkeit ist deshalb derzeit noch nicht möglich. Der technische Ansatz – generative KI mit editierbarer BREP-Geometrie und parametrischer Logik zu verbinden – ist für die weitere Entwicklung KI-gestützter CAD- und BIM-Prozesse jedoch bemerkenswert.
Quellen
- Illoca: offizielle Plamo-Produktseite, Stand 25.08.2026
- Illoca: Unternehmenswebsite und FAQ, Stand 25.08.2026
- Illoca: Pressemitteilung zum Plamo-Beta-Start vom 24.08.2026
- AEC Magazine: „Illoca brings ‘vibe modelling’ to AEC with Plamo“, 21.08.2026
- Illoca / GlobeNewswire: Finanzierungsmitteilung vom 06.05.2026
- Autodesk: technische Dokumentation zu BREP-Geometrie
- buildingSMART: offizielle IFC-Dokumentation
KI-Hinweis: Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz recherchiert und redaktionell aufbereitet. Das Beitragsbild wurde mit KI erstellt.