KI kann beeindruckende Architekturvisualisierungen erzeugen – doch für die Planung reicht ein schönes Bild allein nicht. Das norwegische Unternehmen Visoid will deshalb 3D- und BIM-Modelle mit generativer KI visualisieren, ohne den eigentlichen Entwurf frei neu zu interpretieren. Für die weitere Entwicklung hat das Unternehmen jetzt 2,5 Millionen US-Dollar eingesammelt.
Das norwegische KI-Unternehmen Visoid hat am 10. August 2026 eine neue Finanzierungsrunde über 2,5 Millionen US-Dollar bekannt gegeben. Angeführt wird die Runde von Skyfall Ventures. Beteiligt sind außerdem StartupLab, OBOS, Antler, Farvatn und der byFounders Angel Collective. Das Kapital soll unter anderem in Produktentwicklung, zusätzliche KI-Funktionen und die internationale Expansion fließen.
Vom BIM-Modell direkt zur KI-Visualisierung
Interessanter als die Finanzierung selbst ist der technische Ansatz.
Während klassische generative Bild-KIs Architektur anhand von Texteingaben oder Referenzbildern weitgehend neu erzeugen können, setzt Visoid auf bereits vorhandene Architekturmodelle. Unterstützt werden unter anderem Modelle und Ansichten aus Archicad, Revit, SketchUp und Rhino. Für Archicad, Revit und SketchUp stehen direkte Integrationen beziehungsweise Add-ons zur Verfügung.
Der Architekt legt damit weiterhin Modell, Gebäudeform und Kameraposition fest. Anschließend übernimmt die KI einen Teil der Visualisierung. Materialien, Beleuchtung, Jahreszeit, Umgebung und Bildstimmung können variiert und einzelne Bereiche weiterbearbeitet werden. Ergebnisse lassen sich laut Hersteller bis zu einer Auflösung von 4K ausgeben.
Das große Problem der generativen Architektur-KI
Genau hier liegt ein entscheidender Unterschied zu vielen frei generierenden Bildsystemen.
Ein KI-generiertes Architekturmotiv kann fotorealistisch aussehen und trotzdem planerisch falsch sein. Fenster können hinzukommen, Fassaden verändert, Türen verschoben oder Dachformen und Proportionen neu interpretiert werden.
Für ein Inspirationsbild ist das möglicherweise akzeptabel.
Für die Präsentation eines konkreten Entwurfs ist es ein Problem.
Visoid setzt deshalb darauf, die vorhandene Geometrie und die Entwurfsabsicht möglichst beizubehalten. Das Unternehmen beschreibt seinen Ansatz selbst mit dem Versprechen, dass das Modell nicht neu interpretiert werden und die Geometrie beim Nutzer bleiben soll.
Dabei ist allerdings eine saubere Einordnung wichtig: Die Geometrietreue ist zunächst ein Produktversprechen des Herstellers. Daraus sollte nicht abgeleitet werden, dass eine KI-Visualisierung automatisch eine technisch oder planerisch hundertprozentig korrekte Abbildung des BIM-Modells darstellt.
KI-Rendering wird Teil des normalen Planungsprozesses
Gerade für BIM- und CAD-Anwender könnte diese Entwicklung interessant werden.
Bisher bedeutet eine hochwertige Architekturvisualisierung häufig einen zusätzlichen Workflow: Das Modell wird aufbereitet, Materialien werden definiert, Beleuchtung eingerichtet und anschließend in einer spezialisierten Renderingsoftware visualisiert.
Visoid versucht, diesen Prozess deutlich zu verkürzen. Ein vorhandenes Modell kann direkt als Grundlage dienen und innerhalb kurzer Zeit in unterschiedliche Visualisierungsvarianten überführt werden. So lassen sich beispielsweise verschiedene Fassadenmaterialien, Lichtstimmungen oder Jahreszeiten testen, ohne jedes Rendering klassisch neu aufzubauen.
Damit könnte generative KI künftig weniger als separates Werkzeug neben CAD und BIM auftreten, sondern direkt Bestandteil des Entwurfs- und Präsentationsprozesses werden.
Mehr als fünf Millionen Renderings
Dass dafür offenbar ein Markt existiert, zeigen auch die von den Investoren genannten Zahlen. Nach Angaben von Skyfall Ventures haben Nutzer aus mehr als 120 Ländern innerhalb von gut zwei Jahren bereits über fünf Millionen Renderings mit Visoid erzeugt.
Das Unternehmen wurde 2023 von Mark Szoke und Joachim Blaafjell Holwech gegründet. Bereits 2025 hatte Visoid rund 700.000 Euro Kapital eingesammelt. Mit der neuen Finanzierungsrunde sollen nun unter anderem Engineering, Produktentwicklung und Vertrieb ausgebaut werden.
Fazit
Visoid zeigt, wohin sich KI-Visualisierung in Architektur und BIM entwickeln könnte.
Die entscheidende Frage lautet künftig nicht mehr nur:
Kann KI ein beeindruckendes Architekturmotiv erzeugen?
Sondern:
Kann sie genau das Gebäude visualisieren, das tatsächlich geplant wurde?
Wenn sich KI-Rendering eng an vorhandene BIM- und 3D-Modelle bindet und die Entwurfsgeometrie zuverlässig erhält, könnte es zu einem ernsthaften Werkzeug im täglichen Planungsprozess werden.
Die 2,5-Millionen-Dollar-Finanzierung von Visoid ist deshalb mehr als eine weitere Startup-Meldung. Sie zeigt, dass sich generative KI zunehmend von der freien Bilderzeugung in Richtung konkreter CAD-, BIM- und Architektur-Workflows bewegt.
KI-Hinweis: Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz recherchiert und redaktionell aufbereitet. Das Beitragsbild wurde mit KI erstellt.