Nach mehreren Wochen ohne veröffentlichtes Abstimmungsergebnis ist die Entscheidung nun offiziell: Der finale Projektplan für IFCX Core & Modularisation hat mit 71,4 Prozent Zustimmung die notwendige Mehrheit erreicht. Parallel wurde auch der Projektplan für die Integration von IFC 4.4 zur späteren ISO-Einreichung mit 93 Prozent Zustimmung angenommen.

buildingSMART International veröffentlichte beide Abstimmungsergebnisse am 4. September 2026. Damit ist der Weg für die nächste Entwicklungsphase von IFCX frei.

40 Ja-Stimmen reichen für IFCX

Die Abstimmung zum „IFC X Core & Modularisation Final Project Plan“ war bereits am 7. August 2026 beendet worden. Das nun veröffentlichte Ergebnis lautet:

  • 40 Ja-Stimmen

  • 16 Nein-Stimmen

  • 71,4 Prozent Zustimmung

  • notwendige Mehrheit: 65 Prozent

Damit ist der Projektplan offiziell angenommen und darf laut buildingSMART in die Entwicklungsphase übergehen.

Das Ergebnis ist durchaus bemerkenswert. Schon bei der vorausgegangenen Konsultation zum damals noch als IFC 5 Core bezeichneten Projekt hatte sich gezeigt, dass die geplante grundlegende Umstrukturierung von IFC innerhalb der buildingSMART-Community nicht unumstritten ist. 2025 waren unter anderem Fragen zu Finanzierung, Governance, technischer Ausgestaltung und Transparenz angesprochen worden. Neun nationale Chapters hatten dazu gemeinsam Bedenken vorgetragen.

Mit der jetzigen formalen Abstimmung ist diese entscheidende Hürde genommen.

Was IFCX verändern soll

IFCX soll nicht einfach eine weitere große IFC-Version nach bisherigem Muster werden. buildingSMART verfolgt einen grundlegenderen Umbau.

Im Zentrum steht ein kleiner, modularer und erweiterbarer IFCX Core. Dieser Kern soll nur diejenigen grundlegenden Konzepte enthalten, die von den späteren IFCX-Modulen gemeinsam benötigt werden – beispielsweise Objektidentitäten, Vererbungen, Referenzen, Beziehungen sowie grundlegende Prinzipien für Geometrie- und Eigenschaftsverknüpfungen.

Darauf sollen künftig eigenständige fachliche Module aufbauen können.

Das Ziel: IFC soll nicht mehr zwangsläufig als ein einziges großes Schema betrachtet werden, sondern stärker aus unabhängig entwickelbaren und kombinierbaren Bausteinen bestehen.

buildingSMART nennt dafür unter anderem Anforderungen aus Cloud-, API- und Streaming-Workflows, inkrementelle Modelländerungen, föderierte Modellstrukturen und eine einfachere Implementierung für spezialisierte Softwarelösungen.

Gerade dieser Punkt könnte langfristig weitreichende Folgen für BIM-Software haben.

Ein kleinerer Core und gezielt implementierbare Module könnten es Softwareherstellern erleichtern, IFC-Funktionen zu unterstützen, ohne für jeden Anwendungsfall große Teile eines monolithischen Gesamtschemas abbilden zu müssen.

IFCX soll IFC 4.x nicht einfach ablösen

Wichtig ist allerdings eine Einschränkung: IFCX bedeutet nicht, dass IFC 4.3 oder die kommenden IFC-4.x-Versionen kurzfristig verschwinden.

buildingSMART stellt ausdrücklich klar, dass IFCX neben den bestehenden IFC-Standards entwickelt wird. IFC 4.3 und weitere IFC-4.x-Teile sollen weiterhin gepflegt und eingesetzt werden.

Auch innerhalb der ISO-Struktur ist IFCX als zusätzlicher Bestandteil vorgesehen. Das Projekt wird gemeinsam mit ISO/TC 59/SC 13 JWG 12 entwickelt und soll später als neuer Teil innerhalb der Normenreihe ISO 16739 erscheinen.

Für Anwender heißt das: Es ist kein kurzfristiger Formatwechsel zu erwarten.

IFCX ist zunächst eine technische und strukturelle Weichenstellung für die langfristige Weiterentwicklung von openBIM.

Parallel bekommt auch IFC 4.4 grünes Licht

Fast zeitgleich hat buildingSMART eine zweite wichtige Entscheidung veröffentlicht.

Der Projektplan für „IFC 4.4 Integration for ISO Submission“ erhielt bei der Abstimmung:

50 Ja-Stimmen, vier Nein-Stimmen und damit 93 Prozent Zustimmung.

Auch hier waren mindestens 65 Prozent erforderlich. Die Abstimmung war am 21. August 2026 beendet worden. buildingSMART hat das Projekt damit ebenfalls zur Fortführung freigegeben.

Dabei sollte allerdings sauber unterschieden werden: Mit dieser Abstimmung ist nicht IFC 4.4 selbst bereits als ISO-Standard verabschiedet worden. Genehmigt wurde der Projektplan, mit dem die Integration und Vorbereitung für den späteren ISO-Prozess weitergeführt werden kann.

Damit laufen derzeit praktisch zwei Entwicklungslinien nebeneinander: die evolutionäre Weiterentwicklung der etablierten IFC-4.x-Familie und gleichzeitig der deutlich grundlegendere modulare Neuansatz mit IFCX.

Von IFC 5 zu IFCX

Interessant ist auch die Entwicklung der Bezeichnung.

Noch 2025 führte buildingSMART das Vorhaben offiziell als „IFC 5 Core“. Bereits damals wurde ein modularer IFC-Kern beschrieben, der die Grundlage für spätere domänenspezifische Erweiterungen bilden sollte. Die aktuellen Unterlagen und Meldungen verwenden inzwischen die Bezeichnung „IFCX – Core & Modularisation“.

Unabhängig von der Bezeichnung bleibt die grundsätzliche Richtung erhalten: IFC soll modularer, leichter erweiterbar und besser für moderne datenbasierte Softwarearchitekturen geeignet werden.

Jetzt beginnt die eigentliche Arbeit

Die Zustimmung bedeutet deshalb noch nicht, dass IFCX bereits eingesetzt werden kann.

buildingSMART geht jetzt in die Finanzierungs- und Umsetzungsphase. Für das auf zwölf Monate ausgelegte Core-Projekt werden laut aktuellem Sponsoring-Aufruf rund 330.440 Euro benötigt. Vorgesehen sind unter anderem die Entwicklung und Validierung des Core-Moduls, Implementierungstests mit Software, Dokumentation sowie Experten- und Reviewprozesse.

Zu den geplanten Ergebnissen gehören eine IFCX-Core-Spezifikation, Implementierungshinweise für Softwareentwickler, Beispieldateien und Demonstratoren sowie Unterlagen für die spätere internationale Standardisierung.

Einordnung

Für openBIM ist die Entscheidung vom 4. September 2026 deshalb ein wichtiger Meilenstein.

Noch ist nicht entschieden, welche konkrete Schema-Technologie, Serialisierung oder API-Struktur am Ende tatsächlich zum Einsatz kommt. Genau solche technischen Entscheidungen gehören ausdrücklich zur kommenden Entwicklungsarbeit.

Die Richtung steht nun aber fest:

IFC soll modularer werden.

Statt einer immer weiter anwachsenden Gesamtstruktur soll ein gemeinsamer IFCX Core entstehen, auf den spezialisierte Module aufsetzen können. Gleichzeitig bleibt die etablierte IFC-4.x-Welt erhalten und wird mit IFC 4.4 weiterentwickelt.

Damit hat buildingSMART nach einer längeren Diskussions- und Abstimmungsphase nun offiziell den Startschuss für einen der grundlegendsten Umbauten der IFC-Architektur seit Jahren gegeben.

Quellen: buildingSMART International, „IFC X Core & Modularisation Final Project Plan voting results“, 4. September 2026; „IFC 4.4 Integration Plan for ISO voting results“, 4. September 2026; „IFCX – Core & Modularisation Project Update“, 26. August 2026; „IFCX – Core & Modularisation – Call for Project Sponsorship“.

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